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Morphin

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Suchtgift

Mindestqualifikation

Notärztin/Notarzt

Indikationen in der Notfallmedizin

starke Schmerzen

Wirkstoffgruppe

Opioid-Analgetikum

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile 
Atemdepression
paralytischer Ileus
Atemdepression
schwere chronisch obstruktive Atemwegserkrankung
zerebrale Krampfanfälle 
akutes Abdomen
akute Lebererkrankung
schwere Schädel-Hirn-Traumen, erhöhter Hirndruck
Säuglinge < 6 Monate 
Koliken im Magen-Darm-Trakt oder Urogenitaltrakt 
Schwere Hypotonie 

Cave: Wechselwirkungen mit Psychopharmaka, Benzodiazepine und Alkohol 

Nebenwirkungen

Atemdepression, Atemstillstand, Bewusstlosigkeit

Hypotonie, Schwindel, Herzklopfen
Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen

Kopfschmerzen,

Benommenheit
anaphylaktische Reaktionen, Miosis 
Bronchospasmus, Flush
zerebraler Krampfanfall (insbesondere bei Kindern bei hoher Dosierung)

Dosierungshinweise

Erwachsene:
i. v.: langsam injizieren und titrieren nach Wirkung (z.B. Bolus 2-3 mg i.v.)
s. c. / i. m.: 10–30 mg (Einzeldosis maximal 15 mg)

Kinder:
i.v.: 0,05–0,1 mg/kg KG
s. c. / i. m.: 0,05–0,2 mg/kg KG 

Praxistipp

Antidot: Naloxon

Cave: starke Wechselwirkung mit Thrombozytenaggregationshemmer P2Y12 Inhibitoren (verminderte blutgerinnungshemmende Wirkung!)

Wirkung

Morphin ist ein reiner Agonist an Opiat-Rezeptoren und wirkt analgetisch:

  • Es lagert sich reversibel an sog. Opiatrezeptoren an und blockiert diese.
  • So verhindert Morphin die Schmerzweiterleitung und reduziert das Schmerzempfinden.

es wirkt sedierend, atemdepressiv, emetisch, blutdruck- und herzfrequenzsenkend

Morphin ist der natürliche Bestandteil des Opiums. Es ist ein Opioidrezeptor-Agonist im ZNS, insbesondere an den µ-Rezeptoren und in geringerem Ausmaß an den Kappa-Rezeptoren. Hierbei kommt es zu einer reversiblen Anlagerung des Morphins an die Opioid-Rezeptoren und unterdrückt die Freisetzung von erregenden Neurotransmittern (Substanz  P und Glutamat). Dadurch kommt es zur gewünschten analgetischen und euphorisierenden Wirkung. Durch die Besetzung µ-Rezeptoren kommt es jedoch neben der Sedierung auch zur Atemdepression und Miosis. Morphin wirkt auch direkt auf das Nervengeflecht der Darmwand und verursacht schwere Obstipationen. Bei älteren Patienten ist der analgetische Effekt von Morphin erhöht. Durch die Aktivierung der Opioid-Rezeptoren im Brechzentrum kommt es bei der Anfangstherapie mit Morphin zu einer starken Emesis, welches sich gut mit Ondansetron behandeln lässt. Morphin beeinflusst und hemmt sowohl die Schmerzweiterleitung als auch das Schmerzempfinden.

Schwangerschaft und Stillzeit

nurSchwangerschaft:  beiNutzen-Risiko strengerAbwägung, strenge Indikation
Stillzeit: stark muttermilchgängig, daher kontraindiziert.