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Tachykardie

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Amiodaron | intravenös | Tachykardie | Erwachsene
Dosierung 300 mg
Art Einzeldosis
Applikation Über Kurzinfusion über 10 Min
Zubereitung 300 mg = 6 ml = 2 Ampullen zu 150 mg/3ml in 100ml NaCl-Kurzinfusion zuspritzen
Hinweis Im äußersten Notfall ist eine direkte Injektion möglich; die Gesamtdosis von 300 mg muss aber über 10 Minuten fraktioniert appliziert werden in möglichst geringen Einzeldosen.
Kontraindikationen
  • Jodallergie
  • alle Formen der Leitungsverzögerungen (Bradykardien, höhergradige AV-Blockierungen)
    bei der Einnahme von QT-Zeit verlängernden Arzneistoffen ( z.B. Psychopharmaka)
  • relativ: Hypotonie (bei Hypotonie aufgrund Tachykardie ist Amiodaron das Mittel der Wahl)
  • relativ: Herzinsuffizienz 
  • relativ: schwere Lungenerkrankungen
  • relativ: Schilddrüsenfunktionsstörungen

Bei der Behandlung von Tachykardien muss sichergestellt sein, dass es sich um eine rhythmologisch bedingte Tachykardie handelt und nicht etwa um eine Kompensation eines kardiogenen Schocks. Die Anwendung von Amiodaron ist bei der gleichzeitigen Einnahme von die QT-Zeit verlängernde Medikamenten kontraindiziert, da eine überschießende Wirkung mit potenziell lebensbedrohlichen Bradykardien zu erwarten ist.

Nebenwirkungen
  • Herz-Kreislauf: EKG-Veränderungen (AV-Blockierungen, Bradykardie bis Asystolie), Hypotonie,
  • Lunge: Bronchospasmus und Lungenfibrose
  • Schilddrüse: Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Auge: Mikroablagerungen in Korneavorderfläche
  • Photosensibilität
  • allergische Reaktionen
Schwangerschaft/Stillzeit Verabreichung nach TNA-Callback möglich.

Valsalva-Manöver

Indikationen

  • rhythmische Schmalkomplextachykardie (ohne Lebensgefahr)
  • rhythmische Breitkomplextachykardie (ohne Lebensgefahr)

Therapieziel

Beenden der Tachykardie

Kontraindikationen

  • Bedarfstachykardie (z.B. Hypovolämie / Schock, Schmerzen, Infekt) - zugrundeliegendes Problem behandeln
  • akut lebensbedrohliche Tachykardie, die eine sofortige Kardioversion erfordert
  • Blutdruck unter 90 mmHg systolisch

Benötiges Material

  • 10 ml-Spritze
  • EKG-Überwachung

Durchführung

Nr. Maßnahme/Handlung
1

Patient:in angenehm mit erhöhtem Oberkörper lagern

2

Patient:in über die Maßnahme aufklären

3

Stelle sicher, dass alle Vitalwerte erfasst wurden (inkl. eines 12-Kanal-EKG!).

4

Stelle sicher, dass ein EKG-Monitoring erfolgt und alle Personen zum Monitor sehen

5

Öffne eine neue 10 ml-Spritze und stelle sicher, dass der Spritzenkolben beweglich ist.

6

Stelle sicher, dass sich der Spritzenkolben wieder vollständig in der Spritze befindet.

7

Patient:in die Spritze übergeben

8

EKG ausdrucken

9

Patient:in 15 Sekunden maximal pressend in eine Spritze ausatmen lassen ("Blasen Sie so fest sie können hinein, Sie sollen den Spritzenkolben rausdrücken!")

10

Schnell in einem Zug: Patient:in mit Oberkörper flach hinlegen und Beine ca. 45° anheben - Position 15 Sekunden beibehalten

11

Rückkehr zur Ausgangslagerung

12

Herzrhythmus beurteilen

13

EKG ausdrucken

14

Reassessment der Vitalfunktionen durchführen


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Erläuterungen

Seit der REVERT-Studie 2015 wird im Rettungsdienst das (hier in weiterer Folge beschriebene) modifizierte Valsalva-Manöver angewendet.

Quellenangaben

  • Forschung zum modifizierten Valsalva-Manöver: Appelboam, A. et al. Postural modification to the standard Valsalva manoeuvre for emergency treatment of supraventricular tachycardias (REVERT): a randomised controlled trial. Lancet 386, 1747–1753 (2015).

Version

Kürzel Datum Info
Version SCOPMNOE 24.0 06/2024 Ursprungsversion

Keine Gewährleistung für ausgedruckte Versionen - aktuell ist nur die Online-Version https://rdmed.n.roteskreuz.at/ oder die RKNÖ-App-Version (Aktualisierung alle 24h)!

Midazolam | intravenös | Begleitmedikation Schmerztherapie | Erwachsene
Dosierung
Gewicht/Alter Dosis Volumen (5 mg/ml)
< 50 kg 1 mg 0,2 ml
ab 50 kg 2 mg 0,4 ml
ab 65. vLJ 1 mg 0,2 ml
Art Einzeldosis
Zubereitung

Nicht verdünnen

1 mg = 0,2 ml aus Ampulle zu 1 ml (5 mg/ml)

Freigabe Wiederholungen nach TNA-Callback möglich.
Hinweis

Alkohol, Psychopharmaka, Opioide verstärken die Wirkung und erhöhen damit die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Nebenwirkungen.

Kontraindikationen
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Bestandteile und gegen andere Benzodiazepine 
  • bestehende Atemdepression
  • reduziertes Bewusstsein
Nebenwirkungen
  • Atemdepression, Atemstillstand
  • ZNS-Störungen ( Verwirrtheit, Schwindel, Sedierung, Kopfschmerzen)
  • anterograde Amnesie
  • Bradykardie, Hypotonie
  • paradoxe Reaktionen (z. B. akute Erregungszustände, Wutanfälle, Halluzinationen) gehäuft bei Kindern und älteren Menschen
  • Venenreizung und Thrombophlebitis
Schwangerschaft/Stillzeit Verabreichung nach TNA-Callback möglich.

Propofol | intravenös | Erwachsene
Dosierung

Analgosedierung: 0,5-1 mg/kg KG

Narkoseeinleitung: 1,5-2,5 mg/kg KG (max 200 mg)

Narkoseaufrechterhaltung: 4-12 mg/kg KG pro Stunde

Art Wiederholung möglich
Zubereitung nicht Verdünnen
Kontraindikationen
  • dekompensierte schwere cardiopulmonale Erkrankungen
  • schwere Fettstoffwechselstörungen
  • laut Fachinformation: Soja- oder Erdnussallergie bzw. -Überempfindlichkeit (diese Kontraindikation ist wissenschaftlich weitgehend widerlegt, die Hersteller streichen sie aber nicht aus den Fachinformationen; ausführliche Diskussion dazu im Medikamentenlexikon)
Nebenwirkungen
  • Bradykardie und ausgeprägter Blutdruckabfall
  • anaphylaktische Reaktionen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen während Aufwachphase
  • lokale Schmerzen an Injektionsstelle und Gefäßreizung
Schwangerschaft/Stillzeit Verabreichung möglich.

(1) Anzeichen für Lebensgefahr
  • Hämodynamische Instabilität oder kardiogener Schock
  • Synkope im Rahmen des aktuellen Ereignisses
  • Anzeichen für Myokardischämie (Brustschmerzen, ACS-Verdacht?)
  • ausgeprägte Herzinsuffizienz

Entscheidend ist der klinische Eindruck: Patient:in wirkt schwerkrank und instabil?

Quelle: European Resuscitation Council Guidelines 2021: Adult advanced life support

Therapieziel

  • Erkennen von Patient:innen, die eine unmittelbare Therapie benötigen
  • Verhindern des Atem-Kreislauf-Stillstandes
Quellenangaben

European Resuscitation Council Guidelines 2021: Adult advanced life support

Erläuterungen

Die Behandlungsleitlinie entspricht den ERC-Guidelines 2021.

Insbesondere in der aktuelleren Literatur ist die Atropingabe bei kritischen Patient:innen ("im bradykarden Peri-Arrest") umstritten, da Atropin nicht immer zuverlässig wirkt. Adrenalin hingegen ist deutlich potenter, sicherer und schneller wirksam. Es wird sich zeigen, ob die ERC-Leitlinien 2025 eine Änderung bringen. Bis dahin erscheint es sinnvoll, Atropin eher bei symptomatischer Bradykardie (behandlungsbedürftig ja, akute Lebensgefahr nein) zu verwenden und Adrenalin beim bradykarden Peri-Arrest.

Blogartikel von dasFOAM (2017) inkl. Links zu allen angeführten Quellen zur Diskussion Atropin vs. Adrenalin.

Version
Version BLLNOE 24.0

12/2024

Ursprungsversion

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