Hypertonie bei Erkrankungen

1 Akute Beschwerden
Ein hypertensiver Notfall liegt vor, wenn ein stark erhöhter Blutdruck (≥ 180 mmHg Sys oder 110 mmHg Dia) mit akuten Beschwerden, die auf eine akute Endorganschädigung hindeuten, einhergeht.
Dazu zählen insbesondere:
- Kopfschmerzen
- Visuelle Störungen
- Brustschmerzen
- Ischämietypische EKG-Veränderungen
- Atemnot
- Schwindel
- Neurologische Defizite
Bei den speziellen Indikationen der Blutdruck-Zielwerttabelle kann der der Ausgangswert, ab dem eine Blutdrucksenkung indiziert ist, abweichen.
Bei schwerer akuter Hypertension in der Schwangerschaft (> 160/110 mmHg) soll der Blutdruck (nach TNA-Callback) gesenkt werden.
Bei unstillbarem Nasenbluten kann ein stark erhöhter Blutdruck (≥ 180/110 mmHg) gesenkt werden, um die Blutstillung zu erleichtern.
Urapidil | intravenös | Erwachsene | inkl. Zielwerttabelle
|
Dosierung |
5 mg |
|---|---|
| Art | 4x Wiederholung nach 5 Min möglich |
| Maximaldosis | 25 mg |
| Zubereitung |
Nicht verdünnen 5 mg = 1 ml aus Ampulle (5 mg/ml) |
| Kontraindikationen |
|
| Nebenwirkungen |
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| Schwangerschaft/ |
Verabreichung nach TNA-Callback möglich. |
| Blutdruck-Zielwerttabelle | |
|---|---|
| Schlaganfall/TIA | < 220/110 mmHg (nicht unter 200 mmHg Sys) |
| Brustschmerzen/ACS | < 160/100 mmHg |
| Aortensyndrom | < 120 mmHg Sys |
| Atemnot/hypertensives Lungenödem | < 140 mmHg Sys |
| Schwangerschaft/Pre-Eklampsie | < 160/105 mmHg |
| Andere Fälle eines hypertensiven Notfalls | Langsame, kontrollierte, moderate Blutdrucksenkung: Üblicherweise nicht mehr als 25% und nicht unter 140 mmHg Sys senken |
Therapieziel
Reduzierung der Gefahr eines akuten Endorganschadens
Allgemeine Hinweise
Eine hypertensive Entgleisung (im Gegensatz zum hypertensiven Notfall) liegt vor, wenn der Blutdruck stark erhöht ist, ohne dass Zeichen einer akuten Endorganschädigung vorliegen. Laut ESC-Leitlinie handelt es sich dabei nicht um einen akuten Notfall, da keine unmittelbare Gefährdung von Gehirn, Herz, Nieren oder großen Gefäßen besteht. Die Leitlinie betont ausdrücklich, dass bei Betroffenen keine abrupten oder aggressiven Blutdrucksenkungen erfolgen sollen, da solche Interventionen unnötig und potenziell schädlich sind. Ebenso weist die Leitlinie darauf hin, dass viele Patient:innen in Stress- oder Schmerzsituationen reaktiv erhöhte Blutdruckwerte zeigen, die sich nach Beruhigung oder Schmerztherapie von selbst normalisieren, ohne dass eine spezifische antihypertensive Behandlung nötig ist.
Da es sich nicht um eine zeitkritische Erkrankung handelt und keine akute i. v. Blutdrucksenkung empfohlen wird, gilt:
Die beste Versorgung besteht – je nach lokalen Gegebenheiten – in der kontrollierten Weiterbetreuung durch eine:n niedergelassene:n Ärzt:in oder eine reguläre ärztliche Vorstellung, bei der eine Anpassung der bestehenden Dauertherapie erfolgen kann. Eine präklinische Blutdrucksenkung durch den Rettungsdienst ist laut ESC-Leitlinie nicht indiziert.
Erläuterungen
Die Freigabe der Arzneimittel dieser Behandlungsleitlinie wird empfohlen durch das ÖRK-Bundeschefärztegremium.
Die Behandlungsleitlinie ist in dieser (oder sehr ähnlicher) Form international üblich für ALS-Personal.
Die Behandlungsleitlinie entspricht der aktuellen wissenschaftlichen Empfehlung für den deutschsprachigen Raum.
Version
| Version BLLNOE 24.1 |
12/2025 |
Neue Darstellung inkl. Entscheidungskriterium "Akute Beschwerden", Blutdruck-Zielwerttabelle zu Urapidil verschoben und adaptiert, Hinweis zur Hypertensiven Entgleisung hinzugefügt |
| Version BLLNOE 24.0.2 |
03/2025 |
Änderung Darstellung Klappboxen |
| Version BLLNOE 24.0.1 |
12/2024 |
Änderung des Satzes “≥220 mmHg systolisch um max. 15 % senken”. Begründung: Änderung der zugrundeliegenden Leitlinie (S3-Leitlinie Schlaganfall). |
| Version BLLNOE 24.0 |
06/2024 |
Darstellung nach neuem Designkonzept Anpassung der Kriterien für die Einstufung als Hypertensiver Notfall an die beiden 2023 publizierten Guidelines (Wegfall der Blutdruckangaben, Fokus auf körperliche Beschwerden) |
| Version 1.1 | 12/2021 | Ursprungsversion |
Keine Gewährleistung für ausgedruckte Versionen - aktuell ist nur die Online-Version https://rdmed.n.roteskreuz.at/ oder die RKNÖ-App-Version (Aktualisierung alle 24h)!